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Lehm statt Beton: Wie der Lehmbau den Klimawandel bremsen kann

Aktualisiert: 11. Nov.

Die Zahlen sind alarmierend: Rund fünf Milliarden Tonnen Zement werden jährlich produziert, was etwa 8% der weltweit durch Menschen verursachten CO₂-Emissionen ausmacht. Damit gehört Beton zu den größten Treibhausgasverursachern, gleichauf mit Kohle, Öl und Gas. Doch es gibt eine Alternative: Lehm.


Graue Betonstadt mit Hochhäusern als Symbol für CO₂-intensive Bauweise und Klimabelastung

Klimakiller Beton: Hohe Emissionen durch Produktion und Abbau

Die Betonherstellung ist extrem energieintensiv. Besonders die Zementproduktion ist problematisch, da für sie extrem hohe Temperaturen notwendig sind, die durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe erzeugt werden. Hinzu kommt, dass bei der chemischen Reaktion, der sogenannten Kalzinierung, zusätzlich große Mengen CO₂ freigesetzt werden. Insgesamt führt dies dazu, dass auf jede produzierte Tonne Zement ungefähr eine Tonne CO₂ entfällt. Diese energieintensive Produktion macht Beton zu einem der klimaschädlichsten Baustoffe weltweit.


Lehm: Der klimafreundliche Baustoff

Der CO₂-Fußabdruck von Lehm fällt hingegen äußerst gering aus. Der Abbau und die Verarbeitung von lehmigem Unterboden erfordern nur minimalen Energieaufwand, und der gesamte Produktionsprozess ist deutlich ressourcenschonender. Lehm wird oft mit anderen natürlichen Materialien wie Sand oder Stroh vermischt und dann an der Luft getrocknet – eine Technik, die keine energieintensive Erhitzung benötigt.


100 % Wiederverwertbar: Kein Müll, kein Problem

Anders als Beton, der oft als Bauschutt endet und schwer wiederverwertbar ist, kann Lehm problemlos wieder in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden. Bereits ausgetrocknete Lehmbauteile lassen sich einfach mit Wasser aufweichen und neu formen, ohne an Qualität zu verlieren.


Wohlfühlklima: Natürliche Temperaturregulierung

Ein weiterer Vorteil ist das angenehme Raumklima, das Lehmbauten bieten. Lehm besitzt hygroskopische Eigenschaften, das heißt, er kann Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen und wieder abgeben. Dadurch reguliert er die Luftfeuchtigkeit auf natürliche Weise und sorgt für ein gesundes Wohnklima. Zudem speichert Lehm Wärme und trägt so zur Energieeffizienz eines Gebäudes bei. Im Sommer bleibt es angenehm kühl, im Winter speichert der Baustoff Wärme und gibt sie langsam wieder ab.


Ausgetrockneter, rissiger Lehmboden in Namibia zeigt den hohen Lehmanteil im natürlichen Erdreich

Wo kann Beton durch Lehm ersetzt werden?

Lehm ist nicht für jede Bauweise geeignet, aber es gibt zahlreiche Bereiche, in denen er Beton problemlos ersetzen kann. Wände – sowohl tragend als auch nichttragend – lassen sich mit verschiedenen Lehmbautechniken realisieren. Ob Cob, Adobeziegel, Strohleichtlehm oder andere Techniken – jede Methode bringt eigene Vorteile mit sich. Neuseeland macht es vor: Dort ist der moderne Lehmbau bereits im Baugesetz verankert, und besonders Leichtadobeziegel haben sich als innovative Lösung für tragende Wände bewährt.


Fazit: Zurück zu einem bewährten Baustoff

Lehm ist eine nachhaltige Alternative zu Beton, die aktiv zum Klimaschutz beiträgt. Seine regionale Verfügbarkeit, minimale Verarbeitung und hervorragenden bauphysikalischen Eigenschaften machen ihn zu einer umweltfreundlichen, gesunden und vielseitigen Lösung für modernes Bauen. In Zeiten des Klimawandels ist es an der Zeit, diesem traditionellen Baustoff wieder mehr Beachtung zu schenken.

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