
Strohleichtlehm
Strohleichtlehm ist eine Mischung aus Stroh und Lehmschlämme, die hauptsächlich zur Füllung der Zwischenräume in Ständerkonstruktionen verwendet wird.
Strohleichtlehm verbindet die Vorteile natürlicher Materialien mit modernen Dämmstandards. Die Wandstärke von maximal 30 cm garantiert eine optimale Trocknung und beugt Feuchtigkeitsproblemen vor. Besonders beeindruckend ist die Flexibilität in der Verarbeitung: Das Material kann sowohl in plastischer Form direkt eingebracht als auch zu Steinen und Platten vorgeformt werden. Im Sanierungsbereich, besonders bei der Fachwerkausfachung, zeigt Strohleichtlehm seine besonderen Stärken.
Ein Blick in die Geschichte
Die Entwicklung des Strohleichtlehms begann in den 1920er-Jahren in Deutschland, inspiriert von der traditionellen Wattle-and-Daub Technik. Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann die Bauweise in Europa an Bedeutung, da sie den steigenden Energieanforderungen durch verbesserte Wärmedämmung gerecht wurde.
Der Begriff "Leichtlehm" wurde erstmals 1944 in der Lehmbauordnung verwendet und umfasst eine breitere Palette an Zuschlagstoffen. Die Stroh-Leicht-Lehm-Technik ist eine Variante dieser Bauweise.
Wichtige Impulse für die moderne Anwendung kamen 1983 durch Franz Volhards Standardwerk "Leichtlehmbau: Alter Baustoff – Neue Technik" und in den 1990er-Jahren durch Robert Laportes Weiterentwicklungen in den USA.
Das Material
Die Basis bildet eine Lehmschlämme aus lehmigem Unterboden und Wasser, die zu einem breiartigen Zustand (Clay-Slip) aufbereitet wird. Der Hauptbestandteil ist Stroh, das mit der Lehmschlämme vermischt wird. Die Dichte und damit die Dämmwirkung lässt sich durch das Mischungsverhältnis steuern: Weniger Lehmschlämme erhöht den Wärmedurchgangswiderstand (R-Wert), während mehr Lehmschlämme die thermische Masse verstärkt.
Bauweise und Verarbeitung
Strohleichtlehmwände werden in einem Holzständerrahmen errichtet. Der Bauprozess erfolgt in mehreren Schritten:
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Erstellung des tragenden Holzständerrahmens
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Verschalung der Zwischenräume
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Dichtes Befüllen mit dem Leichtlehmgemisch
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Sofortiges Entfernen der Schalung
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Trocknungsphase mit beidseitig offenen Wänden
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Abschließendes Verputzen der getrockneten Wände

